Sonntag, 27. November 2011

Makan jerman

Deutsches Essen!!! Gestern war es endlich soweit und wir haben uns zu viert auf den Weg zu Rolands’s gemacht, ein deutsches Restaurant in Medan. Der Weg war lang (etwa eine Stunde) und beschwerlich, aber es hat sich sowas von gelohnt. Ein sehr schönes Restaurant, was doch ziemlich deutsch aussah, auch wenn es schwierig ist zu beschreiben, wie ein deutsches Restaurant aussieht. Es war wohl ein Mix zwischen urischer Kneipe und Moderne. Alles war weihnachtlich dekoriert und Fußball lief und europäische Musik und alles sehr gemütlich. Als ich die Speisekarte in die Hand bekam, bin ich quasi fast durchgedreht. Leider haben wir nicht gewusst, dass es eine halal und eine nicht-halal Karte gab, aber es ist ohne hin nicht wirklich respektvoll im Beisein von Muslimen Schweinefleisch zu essen. So musste ich mich auch nicht zwischen tausenden Leckereien entscheiden. Gegessen habe ich Spätzle mit Rotkraut und Rouladen und als Nachtisch gab es Apfelstrudel, auch wenn es kein wirklicher Apfelstrudel war. Runtergespült habe ich das mit einem großen Heineken. Das Essen war sooo lecker, auch wenn es nicht so gut geschmeckt hat wie zu Hause.
Was für ein Abend: ohne Reis und ich wurde satt. Leider ist das Restaurant viel zu teuer, um jede Woche dort hin zugehen. Für alles habe ich 14,50€ bezahlt, was ungefähr dem Preis in Deutschland entspricht, doch hier ist das ein halbes Vermögen ist! Ich bin mir jedoch sicher, dass ich hin und wieder dort einkehren werde.

Abschließend kann ich nur festhalten: ESSEN MACHT GLÜCKLICH!



Samstag, 26. November 2011

Ngapain kamu

Und schon wieder ist eine Woche rum, langsam fängt die Zeit an mir durch die Finger zugleiten. Jetzt bin ich schon wieder fast zwei Monate hier, das ist schon verrückt! Doch spätestens als ich wieder deutsche Süßigkeiten im Mund hatte, wusste ich muss zurück ;)
Meine Woche begann mit einem Paket von meiner Mama, gefüllt mich Gastgeschenken, Weihnachtskeksen, Weihnachtsgeschenken, meiner Lieblingshose und unglaublichen Süßigkeiten. Ich hab mich gefühlt, wie zu Weihnachten und zu meinem Geburtstag zusammen! Lang aufheben kann man die Sachen allerdings nicht, da man sonst ein gewaltiges Problem mit den Ameisen  bekommt. Trotz dass ich extra Billig-Tuperware gekauft habe, schlängelte sich gestern eine große Ameisenstraße durch mein Zimmer. Doch der Übeltäter wurde schnell ausfindig gemacht: eine Rittersporttafel mit Karamellfüllung. In der Verpackung war durch den unsanften Transport ein Loch und schwubbs musste ich die leckere Tafel Schokolade wegschmeißen, denn auf Fleischeinlage habe ich keine Lust. Aufgabe für heute also mehr Dosen kaufen.



Am Dienstag war ich zudem das erste Mal bei PizzaHut, omg! Hefeteig und Käse, das sind zwei Dinge die ich eine gefühlte Ewigkeit nicht mehr gegessen habe und ich wurde tatsächlich satt. Denn das Problem mit dem indonesischen Essen ist nun mal, das ich nicht satt werde, bzw. nach kürzester Zeit wieder Hunger habe. Weißer Reis macht zu dem auch nicht glücklich.
Diese Woche wurde ich quasi von Essensendorphinen überwältigt – sehr schön :D

Diese Woche ging die Sea-Game, vergleichbar mit einer kleinen Olympiade für die Staaten Südostasiens. Indonesien war dieses Jahr nicht nur der Gastgeber, sonder gewann seit den 70er Jahren das erste Mal wieder. Das Finale bildete das Fußballspiel Malaysia gegen Indonesien. Ein spannendes Elfmeterschießen entschied das Spiel aber für Malaysia L Dennoch ein spannender Abend … Seltsam fand ich nur, dass sich niemand darum schärte, dass in dem ganzen Einlassgedrängel zwei Menschen starben. Wenn ich mir vorstelle was in Deutschland losgewesen wäre! Hier sagt man eben einfach, „Das kann eben passieren.“. Auf jeden Fall ist das kein Anlass den Sieg in den Schatten zu stellen oder die Organisation eventuell in Frage zu stellen. Ein verrücktes Land!

Ich wünsche euch morgen einen schönen ersten Advent!

Mittwoch, 16. November 2011

Musim salju 16.11.2011

Gestern von in Medan die ‚European Higher Education Fair‘ statt, eine Messe, wo sich verschiedene europäische Universitäten vorstellen und Möglichkeiten bieten im Ausland zu studieren. Auch wenn das für die meisten Studenten in Nordsumatra leider nur ein Traum bleiben wird, war es recht interessant. Natürlich war auch Deutschland vertreten und ich nutzte die Chance natürlich um mich mal wieder zu normal zu unterhalten. Mir ist jedoch leider aufgefallen, dass der ein oder andere recht schlecht über Indonesien Bescheid weiß. Wenn die Frage der Finanzierung aufkommt, dann kommt der Vorschlag, die indonesischen Studenten sollen doch einfach arbeiten. Okay, aber wie kommen sie nach Deutschland und wer hilft ihnen in der Uni, nicht nur dass es ein ganz anderes Sprachniveau ist, welches natürlich schwer zu erreichen ist, sondern auch die Anforderungen und der Lernniveau sind, seien wir mal ehrlich, auf einer anderen Ebene. Dennoch waren alle Studenten glücklich und ich hatte auch meinen Spaß.



Heute Nachmittag war ich dann bei einem lokalen Radiosender, wo einige Deutschstudenten eine kleine Sendung haben – „Deutsch macht Spaß“ läuft jeden Mittwoch von um 16.00 bis 16.30., auch wenn die Zeiten eher unwichtig sind. Sie haben mich zum Thema Winter und Weihnachtszeit in Deutschland interviewt, es war ziemlich lustig :D Allerdings werde ich bei diesem Thema doch etwas wehleidig: Ich will auch Glühwein und leckere Plätzchen! Ich würde ja selbst Glühwein kochen, aber es gibt nur selten Wein und wenn, dann ist der unbezahlbar und Plätzchen kann ich auch nicht backen, weil keiner einen Backofen hat. So ein Pech aber auch.



Ein Student hat mich anschließend nach Hause gefahren, bzw. sind wir über eine Stunde durch Medan gefahren! Als ich merkte, dass er sich verfahren hat, habe ich ihn zwei Mal gefragt, ob wir meine Gastfamilie anrufen sollen oder vielleicht jemanden fragen, aber typisch indonesisch werden Probleme einfach überlächelt J
Lächeln nicken und keinen Plan haben oder Arschloch denken – lustige Strategie, um Probleme zu lösen. Für mich eine gute Strategie um Probleme zu ignorieren … 

Sonntag, 13. November 2011

Bukit Lawang 13.11.2011

Zwei Tage, noch nicht mal ganze Tage, sind einfach zu wenig. Dennoch hat mir der Kurztrip eine ganz andere Seite von Sumatra gezeigt, in  welche ich sicherlich noch öfter eintauchen werde.

Am Samstagmittag sind wir nach einer 3 stündigen Bustour in Bukit Lawang angekommen. Ein Ort in Nordsumatra, in dessen Mittelpunkt das Orang-Utan Rehabilitationscenter  steht. Natürlich an Touristen angepasst, aber auch noch sehr indonesisch – sehr entspannte und freundliche Atmosphäre, aber nicht im geringsten aufdringlich. Dort angekommen vervollständigte sich unsere Gruppe langsam: Tatsächlich waren wir 11 Personen mit 6 unterschiedlichen Nationalitäten! Gemeinsam aßen wir zu Mittag und genossen unsere Freizeit, denn trotz dass wir eine solch große Gruppe waren, war es sehr entspannt: Jeder konnte machen, was er wollte und irgendwie sind wir auch alle zu bestimmten Zeiten wieder zusammengekommen.
Ich entschied mich also am Nachmittag mit ein paar anderen eine Miniwanderung zumachen. Im ‚Dschungel‘ konnten wir Affen entdecken, wir durchquerten Palmöl- und Gummibaumplantagen und landeten schließlich, nach einiger Kletterei, in einer kleinen, aber feinen Tropfsteinhöhle mit ganz aufgeregten Fledermäusen …
Am Abend zeigten wir uns alle von unserer musikalischsten Seite und bei unserem Dinner genoss ich die ausgelassene Stimmung. Tatsächlich war das Restaurant dezent überfordert mit unseren Bestellungen und es gab einige Probleme, aber man sollte das Beste daraus machen und sagen „Das ist Indonesien.“ ;) Auf Gleichgesinnte zu treffen und sich in normaler Geschwindigkeit unterhalten zu können ist auf jeden Fall nett und das begleitet von meinem ersten alkoholischen Getränk in Indonesien. Bier! Und das indonesische Bier ist zwar, im Vergleich zu allen anderen Dingen, sehr teuer, aber absolut lecker, besonders in den eiskalten Gläsern.

Am Sonntag wollte ich eigentlich zur Orang-Utan Fütterung, dem touristischen Highlight, aber ich war schlicht und einfach zu faul. Stattdessen genoss ich ein ausgiebiges Frühstück, die Natur und die Sonne und beobachtete clevere Äffchen, wie sie leckere Chips- und Kekspackungen klauten.

In den nächsten Wochen muss ich mir Wanderschuhe kaufen und dann fahre ich zurück und erkunde den Dschungel in seinem vollen Dasein.
Zunächst falle ich jedoch total müde ins Bett, denn morgen geht’s ja wieder in die Uni … 
Übrigens, ich will ja Postkarten verschicken, aber irgendwie will Nordsumatra nicht, dass ich welche verschicke, sonst hätte ich wohl schon mal welche gesehen :(




Mittwoch, 9. November 2011

Serengga marah 9.11.2011

Mein indonesischer Alltag schreitet also voran – weder hektisch, noch organisiert. Das einzige Problem stellen für mich zurzeit die Kakerlaken dar, die in solch tropischen Gebieten ganz natürlich sind. Warum sie mich in den vergangenen Tagen immer wieder zum Kampf herausgefordert haben, ist mir noch unklar, vielleicht liegt es am Regen?! Nach einigen mädchenhaften Schreien, welche meine Gastfamilie sehr belustigt habe, kann ich Karl und seinen Geschwister langsam und systematisch umbringen und nähere mich eher mit Hass, als mit Angst ;) Doch heute haben wir wieder strahlend blauen Himmel und keines dieser Mistviecher hat sich bis jetzt gezeigt.

Mit meiner Freizeit fange ich die verschiedensten Dinge an, so sind mir beispielsweise Fragen zur Anpassungsfähigkeit gekommen. In wie weit müssen wir anpassungsfähig sein und wie viel ist zu viel? Ab wann verraten wir unsere eigene Kultur? Müssen wir alle Regeln hinnehmen oder betrügen wir uns dabei selbst? (Gesetzliche Regeln einmal ausgenommen …)
Indonesien hat eine ganz andere Kultur als Europa und besonders in Sumatra ist der Großteil der Menschen sehr konservativ eingestellt. So gelten für Mädchen besonders strenge Regeln: angefangen bei der Kleidung, bis hin zu bestimmten Unternehmungen (eingeschlossen den Ausgehzeiten) und inklusive des Umgangs mit Jungs oder Männern. Mit Mädchen meine ich all diejenigen, die noch zu Hause leben, wobei das Alter eine eher untergeordnete Rolle spielt. In wieweit müssen Ausländer diese Regeln beachten, vor allem wenn man nur für einen begrenzten Zeitraum hier lebt. Beachtet man alle Regeln, verrät man vielleicht seine eigene Identität, doch wenn man eine bricht, kann man schnell in Schwierigkeiten kommen.
Ich denke man sollte sich je nach Situation anpassen, dennoch muss man sich über alle Tabus bewusst sein. Man gibt seine Identität nicht auf, sondern formt sie. Man kommt vielleicht an seine Grenzen oder muss diese sogar überschreiten. Man lernt neue Dinge, vor allem über sich selbst. Ob einem das gefällt oder nicht sollte man erst im Nachhinein beurteilen. Doch die Erfahrung(en) an sich bekommt von mir einen eindeutigen ‚I like‘-Button.
Doch anpassungsfähig muss man erst werden – Es ist eine Frage der Einstellung, ob man bereit ist, die ein oder andere bittere Pille zu schlucken.

Nach dieser philosophischen Kurzzusammenfassung meiner Gedanken möchte ich noch kurz erwähnen, dass ich das Wochenende im Dschungel bei ein paar Affen verbringen werde. Wir lesen uns also erst nächste Woche wieder J



Montag, 7. November 2011

Ein Tag am Fluss 6.11.2011


Langsam merkt man, dass Regenzeit ist. Seit zwei Tagen regnet es immer und immer wieder, zudem ist es dauerhaft bewölkt und bei maximal 25°C wird einem schon fast kalt. Der heutige Morgen sah jedoch sehr vielversprechend aus und so trafen meine Gastschwester und ich uns nach dem allsonntäglichen Kirchbesuch mit ein paar anderen Student. Mit nur einer knappen Stunde Verspätung war unser Mittagessen auf den Motorrädern verstaut und wir machten uns auf den Weg. Die Sonne begleitete uns durch kleine Dörfer und wunderschöne Urwälder. Zwei Stunden lang ging es über Stock und Stein, Berg auf- und abwärts und immer wieder durch Schlaglöcher. Bereits bei unserer Ankunft zog sich der Himmel langsam zu ...

Wir balancierten über Bambusstäbe und Steine bis hin zur Mitte des Flusses, wo kleine Hütten auf uns warteten. Sofort machten wir uns über das Essen her und nach einer kurzen Verdauungsphase ging’s ins kühle Nass. Komisch ist eben nur, dass alle in voller Montage ins Wasser springen! Irgendwie ist es ja auch praktisch, schließlich muss man so keine Wechselkleidung mitbringen. Ich habe dennoch zumindest meine Hose gewechselt. Wirklich schwimmen konnte man dich, dafür war die Strömung zu stark und es gab zu viele Steine. Als wir fertig mit unserer Badeaktion waren, war auch der Grillfisch fertig. Sehr lecker und zum Dessert gab es gelben Klebreis, mit Palmzucker und Kokosnuss und Papaya. Ein Traum …

Die Heimfahrt gestaltete sich weniger traumhaft. Mit leicht feuchter Kleidung auf dem Motorrad ist besonders durch den Fahrtwind leicht unangenehm, doch dann sind wir in einen tropischen Regenguss gekommen! Bereits nach 5 Minuten habe ich nichts mehr gesehen, denn mein Helm hat kein Visier. Letztendlich kamen wir komplett durchnässt und durchgefroren zu Hause an. Eigentlich wäre eine warme Dusche schön gewesen, aber der warme Tee tat es auch. Tagebucheintrag: Heute habe ich das erste Mal in Indonesien gefroren.
Ein sehr schöner und abenteuerlicher Tag der mit lustiger Weise an manchen Körperstellen einen Sonnenbrand beschert hat und das, obwohl die Sonne gar nicht schien.





Langsam lebe ich den indonesischen Alltag mit viel Freizeit und den verschiedensten Leckereien. Diese Leckerbissen (oder auch nicht) halte ich in der Rubrik Makan fest. Also wen es interessiert, einfach mal vorbeischauen.