Mein indonesischer Alltag schreitet also voran – weder hektisch, noch organisiert. Das einzige Problem stellen für mich zurzeit die Kakerlaken dar, die in solch tropischen Gebieten ganz natürlich sind. Warum sie mich in den vergangenen Tagen immer wieder zum Kampf herausgefordert haben, ist mir noch unklar, vielleicht liegt es am Regen?! Nach einigen mädchenhaften Schreien, welche meine Gastfamilie sehr belustigt habe, kann ich Karl und seinen Geschwister langsam und systematisch umbringen und nähere mich eher mit Hass, als mit Angst ;) Doch heute haben wir wieder strahlend blauen Himmel und keines dieser Mistviecher hat sich bis jetzt gezeigt.
Mit meiner Freizeit fange ich die verschiedensten Dinge an, so sind mir beispielsweise Fragen zur Anpassungsfähigkeit gekommen. In wie weit müssen wir anpassungsfähig sein und wie viel ist zu viel? Ab wann verraten wir unsere eigene Kultur? Müssen wir alle Regeln hinnehmen oder betrügen wir uns dabei selbst? (Gesetzliche Regeln einmal ausgenommen …)
Indonesien hat eine ganz andere Kultur als Europa und besonders in Sumatra ist der Großteil der Menschen sehr konservativ eingestellt. So gelten für Mädchen besonders strenge Regeln: angefangen bei der Kleidung, bis hin zu bestimmten Unternehmungen (eingeschlossen den Ausgehzeiten) und inklusive des Umgangs mit Jungs oder Männern. Mit Mädchen meine ich all diejenigen, die noch zu Hause leben, wobei das Alter eine eher untergeordnete Rolle spielt. In wieweit müssen Ausländer diese Regeln beachten, vor allem wenn man nur für einen begrenzten Zeitraum hier lebt. Beachtet man alle Regeln, verrät man vielleicht seine eigene Identität, doch wenn man eine bricht, kann man schnell in Schwierigkeiten kommen.
Ich denke man sollte sich je nach Situation anpassen, dennoch muss man sich über alle Tabus bewusst sein. Man gibt seine Identität nicht auf, sondern formt sie. Man kommt vielleicht an seine Grenzen oder muss diese sogar überschreiten. Man lernt neue Dinge, vor allem über sich selbst. Ob einem das gefällt oder nicht sollte man erst im Nachhinein beurteilen. Doch die Erfahrung(en) an sich bekommt von mir einen eindeutigen ‚I like‘-Button.
Doch anpassungsfähig muss man erst werden – Es ist eine Frage der Einstellung, ob man bereit ist, die ein oder andere bittere Pille zu schlucken.
Nach dieser philosophischen Kurzzusammenfassung meiner Gedanken möchte ich noch kurz erwähnen, dass ich das Wochenende im Dschungel bei ein paar Affen verbringen werde. Wir lesen uns also erst nächste Woche wieder J
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